Die positive Seite an Corona nutzen

Im derzeitigen Krisenmodus ist unser Leben komplett verändert mit einem Dasein vorwiegend beschränkt in den eigenen vier Wänden. Da kommt es einem erst mal nicht so leicht in den Sinn, der Corona-Krise eine positive Seite abzugewinnen.

Aber es gibt sie: wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzuschauen. Abgesehen von Entschleunigung, der Chance für das Klima, ein Zusammenrücken durch mehr Solidarität, mehr Zeit füreinander und vielem mehr.

Und da ist auch die berufliche Seite, die weitestgehend brachliegt, bis auf die „Gruppe der Systemrelevanten“. Viele wissen nicht, wie es weitergeht: rein in die Kurzarbeit? Oder zukünftig ganz ohne Arbeit dastehen? Das macht erst mal Angst. Große Angst.

Dieser Angst kann man etwas Sinnvolles entgegensetzen. Man kann nämlich mit dem plötzlichen Mehr an Zeit versuchen, bewusster hinzuschauen zu allem, was seine eigene Arbeit ausmacht: Ist es das richtige Umfeld, in dem ich arbeite? Nutze ich meine wichtigsten Talente? Erhalte ich aus der Arbeit einen Sinn, der nachhaltig ist? Werde ich durch meine Arbeit wirklich erfüllt? Oder erhalte ich durch meine Arbeit nur „Geld“, um zu überleben, fühle mich aber ausgelaugt?

Haben Sie sich jemals gefragt, ob Sie vielleicht nur dem kurzfristigen Glück nachrennen. Eine Arbeit zu haben, um Glück zu erhalten, ist zu wenig. Dazu gibt es wertvolle Belege aus der Wissenschaft. Der Molekularbiologe Martin Moder schreibt in seinem Buch „Genpoolparty“, „Die Wissenschaft hat zahlreiche Belege dafür gesammelt, dass das bewusste Streben nach Glück die Menschen zuverlässig unzufriedener macht…Auch haben Studien gezeigt, dass das Gefühl, das eigene Leben habe einen Sinn, mit einem niedrigerem Risiko für Schlaganfälle, Alzheimer und diversen Behinderungen einhergeht…Doch gegenüber dem Streben nach Glück hat ein Streben nach Sinn den großen Vorteil, dass es nicht nur einen selbst betrifft, sondern oft damit einhergeht, Gutes zu tun und sich um andere zu kümmern.“

Erst der Sinn in der Arbeit wirkt nachhaltig, erfüllend, wohltuend, ermunternd, ermutigend, energetisierend und letztendlich nachhaltig. Eine Arbeit, die bedeutend für einen selbst ist, für die Gesellschaft oder anderen Menschen in irgendeiner Weise nützt, ist am erfüllendsten, belegt auch eine Studie unter der Leitung von Tom Smith**.

Es ist jetzt sinnvoll genutzte Zeit, sich mit seiner beruflichen Situation auseinanderzusetzen und genau zu prüfen, ob man „nur“ glücklich oder wirklich erfüllt in seinem Beruf ist.

Hinschauen heißt, man hinterfragt kritisch, spürt in sich rein, tauscht sich mit seinem engsten Umfeld intensiv aus. Das scheint auf den ersten Blick einfach, aber dahinter steckt Arbeit und Mut.

Sie sollten es sich selbst gegenüber wert sein. Fangen Sie noch heute an! 

Mieder Mensch hat seine Berufung, und je länger unser Leben voranschreitet, umso mehr wird deutlich, was die Berufung unseres Lebens ist. (Hans Küng)

 

 

*Genpoolparty (Martin Moder, Carl Hanser Verlag 2019)

** Tom Smith, Leiter des National Opinion Research Center, University of Chicago

***weiterführende Literatur: Martin Schröder: Wann sind wir wirklich zufrieden (Random House, März 2020)